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  1. Blog
  2. Hybrides Projektmanagement in der Praxis: Ein iteratives TYPO3-Upgrade mit Relaunch und flexibler Planung
Das Bild zeigt einen Zeitplan für Software-Upgrades und Entwicklungsaufgaben, darunter TYPO3-Upgrades auf Version 10, 11 und 13, Code-Bereinigung, Designanpassungen, neue Anker-Navigation, Modernisierung von Stylesheets und Migration von Gridelementen. Die Aufgaben sind in Phasen mit verschiedenen Farben und Bezeichnungen wie "tbd" (to be determined) dargestellt.
  • TYPO3
13.01.2026

Hybrides Projektmanagement in der Praxis: Ein iteratives TYPO3-Upgrade mit Relaunch und flexibler Planung


Einleitung

Heute gewähren wir euch einen offenen und ehrlichen Einblick in eines unserer Projekte. Wir haben die Website www.segger.com schrittweise von TYPO3 v9 auf v13 aktualisiert, die gesamte Installation grundlegend modernisiert und währenddessen immer wieder um neue Funktionen erweitert.

In diesem Beitrag beschreibe ich unsere Entscheidung für kleinteilige Upgrades sowie das zugrunde liegende hybride Projektmanagement-Modell.

Inhaltsverzeichnis

  • Eine kurze Vorstellung des Kunden und Website-Projektes
  • Content Inventory zum Projektstart
  • Die Projektziele
  • Unsere erste Überlegung: Ein vollständiger Relaunch mit Wasserfall-Modell?
  • Merkmale des Wasserfall-Modells
  • Warum haben wir uns gegen das Wasserfall-Modell entschieden?
  • Unser hybrides Projektmanagement-Modell
  • Planung der nächsten Schritte
  • Vorteile des hybriden Modells
  • Vermeidung eines Parallelbetriebs und Content Freezes
  • Schnelle Reaktion auf neue Anforderungen
  • Alle Verbesserungen sind sofort verfügbar
  • Überschaubare Datensatz-Migrationen
  • Nachteile des hybriden Modells
  • Ein Projektende nach Plan
  • Eine Zukunft ohne Upgrade-Projekte
  • Fazit

Eine kurze Vorstellung des Kunden und Website-Projektes

SEGGER ist auf die Entwicklung von Software für Mikrocontroller spezialisiert, die bei intelligenten Steuerungsvorgängen der Prozessautomatisierung eingesetzt wird. Mit dem Debug-Probe J-Link bietet SEGGER den weltweit am häufigsten verwendeten Debugger für die Embedded-Entwicklung.
Das Unternehmen entwickelt und produziert in Monheim am Rhein, hat aber auch Standorte in den USA und China.

Bei der TYPO3-Installation handelt es sich um eine Corporate-Website mit Vorstellung der Produktpalette und einer Vielzahl technischer Informationen. Sie umfasst 2.500 aktive Seiten und etwa 30.000 aktive Inhaltselemente. Wir haben die Betreuung in 2019 mit TYPO3 7.6 übernommen.

Die Website bietet eine ganze Reihe besonderer Features, wie etwa standortbasierte Inhalte und OS-gesteuerte Software-Downloads.
Neben der TYPO3-Website betreibt SEGGER noch einige weitere Systeme, unter anderem eine Knowledge Base, einen Blog und zwei Shops.

Die Redakteure von SEGGER arbeiten täglich intensiv an ihrer Website. Dabei ergeben sich regelmäßig neue Anforderungen, für die wir in enger Abstimmung Lösungen ausarbeiten und implementieren.
Ein aktives und abwechslungsreiches Projekt also, wie man es sich wünscht.

Durch verschiedene Faktoren haben sich in der Installation allerdings auch einige Erb- und Altlasten in Datenbank und Code angesammelt, die bereinigt werden mussten.

Content Inventory zum Projektstart

Begonnen haben wir mit einem umfassenden Content Inventory, in dessen Verlauf wir eine Übersicht über die bestehenden Inhalte der verschiedenen Systeme erarbeitet haben.

Danach haben wir gemeinsam Zielgruppen und Personas entwickelt und sie den einzelnen Systemen zugeordnet.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurden schließlich die zukünftig benötigten Inhalte geplant.

Die Projektziele

Diese technischen und inhaltlichen Ziele haben wir vor Umsetzungs­beginn definiert:

  • Upgrade auf die aktuellste TYPO3-Version
  • Modernisierung aller technischen Komponenten
  • Überarbeitung des Designs auf Basis der neuen Branding Guidelines
  • Relaunch der Produktseiten
  • Zielgruppenorientierte Bereitstellung von Inhalten

Unsere erste Überlegung: Ein vollständiger Relaunch mit Wasserfall-Modell?

Das Zusammenkommen mehrerer Faktoren sprach dafür, die Website in der Zielversion neu einzurichten und die weiter benötigten Inhalte am Ende zu migrieren:

  • Das geplante neue Design mit barrierefreien Templates und neuen, auf die Anforderungen zugeschnittenen Inhalts­elementen
  • Historisch gewachsene Inhalts- und Navigations­strukturen
  • Technische Schulden im Projektcode
  • Der größere Versions­sprung von TYPO3 v9 auf v13

Eine neue Installation “auf grüner Wiese” einzurichten kann also durchaus seine Vorteile haben, auch wenn ein langfristiger Betrieb der bestehenden Instanz grundsätzlich nachhaltiger erscheint.

Es würde in dem Fall aber auch einen temporären Parallelbetrieb mit der aktuellen Website bedeuten.

Zeige größere Version von: Das Bild zeigt einen Prozessablauf mit fünf Schritten: Analyse, Design, Implementierung, Test und Betrieb. Jeder Schritt ist durch einen Pfeil mit dem nächsten verbunden, was einen linearen Fortschritt anzeigt. Die Schritte sind in grauen und grünen Kästchen dargestellt, wobei "Betrieb" grün hervorgehoben ist.
Klassischer Ablauf im Wasserfall-Modell. Erst nach Abschluss eines Schrittes wird der nächste begonnen. Am Ende erfolgt die Inbetriebnahme.

Merkmale des Wasserfall-Modells

Vorteile der Wasserfall-Methode:

  • Hohe Planungssicherheit bei umfangreichen Projekten
  • Klar definierte Ziele
  • Gute Zeit- und Kostenabschätzung

Nachteile der Wasserfall-Methode:

  • Hoher initialer Konzeptionsaufwand
  • Wenig Flexibilität aufgrund des festen Ablaufs
  • Das Ergebnis ist erst am Ende des Projekts verfügbar

Warum haben wir uns gegen das Wasserfall-Modell entschieden?

Während des Content Inventory hat SEGGER die Produktpalette neu organisiert, von bislang vier auf nun fünf Produktkategorien.
Dies war zu diesem Zeitpunkt eine sinnvolle Maßnahme, erforderte aber logischerweise Anpassungen schon im bestehenden System und hatte Auswirkungen auf die weitere Planung des Relaunchs.

Diese Umstellung zeigt exemplarisch, wie wichtig es in diesem Kundenprojekt ist, kurzfristig reagieren zu können.

Wir haben uns daher für kleinteilige Upgrades in der bestehenden Installation entschieden. Diesen Ansatz beschreiben wir euch nun konkret.

Zeige größere Version von: Das Bild zeigt einen Projektzeitplan mit Aufgaben und Feature-Anfragen. Es umfasst Upgrades auf TYPO3 Versionen 10, 11 und 13, Code-Bereinigung, Designanpassungen, Modernisierung von Stylesheets, neue Anker-Navigation und Migration von "GridElements". Der Zeitplan erstreckt sich bis Ende 2025.
Unser Workflow, beispielhaft dargestellt. Die anstehenden Arbeiten der nächsten Wochen werden regelmäßig gemeinsam definiert. Zwischen den Upgrade-Tasks besteht immer die Möglichkeit, neue Features zu ergänzen.

Unser hybrides Projektmanagement-Modell

Was macht unser hybrides Modell aus? Wir kombinieren die jeweiligen Stärken von Wasserfall und agilem Modell. Die oben beschriebenen Projektziele geben den Rahmen vor und sorgen für Planungssicherheit. Eine iterative Arbeitsweise stellt die notwendige Flexibilität sicher.

Konkret sieht das in unserem Upgrade-Projekt dann wie folgt aus:

  • Alle Upgrades und Modernisierungen werden in schnell lieferbare, kleinteilige Arbeitspakete aufgeteilt
  • Die nächsten Schritte werden regelmäßig mit dem Kunden abgestimmt und in einer Roadmap festgehalten
  • In der Roadmap ist jederzeit Freiraum für neue Features und Anpassungswünsche
  • Nur ein einziges Ziel ist von Beginn an mit festem Termin definiert: Spätestens Ende 2025 sollte das Upgrade auf TYPO3 v13 abgeschlossen sein

Die Grafik stellt unseren Workflow beispielhaft dar. Nach dem Upgrade auf TYPO3 v10 folgten erste Cleanup-Arbeiten. In der Praxis haben wir diese in möglichst kleine, zweckmäßige Tasks (z.B. “Merge and simplify button styling“) aufgeteilt.

Im Anschluss haben wir ein neues Feature entwickelt und implementiert. Danach folgten im Wechsel weitere Upgrade-Tasks und Anpassungswünsche.

Planung der nächsten Schritte

Alle zwei Wochen gab es einen Jour Fixe mit den beteiligten Personen. In diesem Termin haben wir die anstehenden Arbeiten geplant und die zuletzt vorgenommenen Neuerungen vorgestellt.

Alle Arbeiten, die den Kunden direkt betreffen, haben wir im Vorfeld mit ihm abgestimmt. Denn natürlich hat beispielsweise ein Wechsel auf neue Inhalts­elemente unmittelbare Auswirkungen auf die tägliche Arbeit.

Modernisierungen und Aufräum­arbeiten im Hintergrund haben wir hingegen eigenständig vorgenommen. Wenn diese zu Verbesserungen der Core Web Vitals oder anderen Auswirkungen führten, haben wir auch dies präsentiert.

Nach jedem TYPO3-Upgrade wurden die wichtigsten anstehenden Aufgaben bis zum nächsten Upgrade-Schritt definiert.
Dabei blieb immer Spielraum, um auf kurzfristig erforderliche Anpassungen reagieren zu können.

Vorteile des hybriden Modells

Vermeidung eines Parallelbetriebs und Content Freezes

Die gleichzeitige Betreuung der aktuellen und zukünftigen TYPO3-Installation hätte auf beiden Seiten mehr Kapazitäten gebunden.

Vor Inbetriebnahme des neuen Systems hätten zudem Teile der bestehenden Inhalte migriert werden müssen. Während dieses Zeitraums wäre ein Content Freeze erforderlich gewesen, also eine zeitlich begrenzte Unterbrechung der redaktionellen Arbeit.

Stattdessen gab es bei dem Deployment größerer Umstellungen nur vereinzelt kurze Content Freezes von etwa einer Stunde, die wir in den frühen Morgenstunden terminiert haben. Das Frontend der Website war während dieser Zeit dauerhaft verfügbar.

Schnelle Reaktion auf neue Anforderungen

Einmal angenommen, wir hätten uns für den Parallel­betrieb entschieden: Wie hätten wir kurzfristige Änderungs­wünsche umgesetzt – gleichzeitig in bestehender und neuer TYPO3-Installation, bei unterschiedlicher Architektur? Dies hätte zu Verzögerungen und Mehraufwand führen können.

Durch die kleinteilige Arbeitsweise konnten wir neue Features hingegen schnell bereitstellen. Anstehende Änderungen an der API durch ein nachfolgendes TYPO3-Upgrade konnten wir bereits bei der Implementierung berücksichtigen.

Alle Verbesserungen sind sofort verfügbar

Jedes Upgrade hat die User Experience des TYPO3-Backends verbessert, die Arbeit der Redakteure erleichtert und bei ihnen für eine erhöhte Zufriedenheit mit dem CMS gesorgt. Das gilt ebenso für die vielen kleinen Optimierungen, die wir fortlaufend im System vorgenommen haben.

Auch die Performance der Website konnte durch kontinuierliche Verbesserungen gesteigert werden.

Überschaubare Datensatz-Migrationen

Bei einem Relaunch mit neuer TYPO3-Installation hätten wir einen Teil der bestehenden Inhalte am Ende ins neue System migrieren müssen. Durch den Wechsel auf neue, spezialisierte Inhalts­elemente in einem neu strukturierten Seitenbaum hätte dies durchaus anspruchsvoll werden können.

Stattdessen konnten wir bestehende Inhalte in kleinen Schritten aktualisieren, beispielsweise zuerst von Gridelements zu Container-Elementen. Anschließend wurden ausgewählte Container-Elemente mit ihren Kindelementen wiederum durch passgenaue Inhalts­elemente ersetzt.

Nachteile des hybriden Modells

Für uns haben sich keine wirklichen Nachteile herausgestellt. Zwei Punkte sind aber anzumerken:

  • Die geplante Projektlaufzeit verlängert sich bei dem gewählten Modell, weil Upgrade und Weiter­entwicklung der Website parallel vorgenommen werden
  • Am Ende des Upgrade-Projekts verbleiben noch Altlasten in der Datenbank, die es im Nachgang zu bereinigen gilt

Ein Projektende nach Plan

Das Upgrade auf TYPO3 v13 haben wir Anfang November 2025 termingerecht abgeschlossen.

Für den Projektzeitraum zählen wir mehr als 1000 Commits in Git. Das ist natürlich nur bedingt aussagekräftig, da ein einzelner Commit das Minor-Update einer einzelnen Extension ebenso umfassen kann wie die komplette Umstellung des bestehenden Seitenlayouts inklusive aller benötigten Migrationsskripte.

In einem manuell gepflegten Changelog haben wir für diesen Zeitraum rund 100 signifikante Neuerungen festgehalten, die einen direkten Nutzen für den Kunden haben.

Eine Zukunft ohne Upgrade-Projekte

Das Motto von SEGGER lautet: "It simply works". Und ab jetzt trifft das auch auf die Website und weitere Systeme zu:
Im Rahmen unseres Continuous-Upgrading-Programms halten wir alle Komponenten dauerhaft auf dem aktuellen Stand, CMS-Upgrades inklusive.

Mit dem Kunden können wir uns von nun an ganz auf inhaltliche Themen fokussieren.

Fazit

Auch wenn ein Relaunch in neuer Installation stets das letzte Mittel bleiben sollte – zum Projektstart hatte ich mich noch darauf gefreut, die gesamte Website von Beginn an sauber und nach Stand der Technik neu einrichten zu dürfen.

Unsere dann gewählte Vorgehensweise mit kleinteiligen Änderungen war aber die richtige Entscheidung. Einzelne Aufgaben wurden durch die bestehenden Datenstrukturen zwar komplexer; zeitgleich entfielen jedoch andere Arbeitsschritte.

Mit dem hybriden Projektmanagement-Modell haben wir und auch der Kunde sehr gute Erfahrungen gemacht. Der regelmäßige und intensive Austausch mit dem SEGGER-Team, vor Ort und Remote, hat viel Spaß gemacht und die vertrauensvolle Zusammenarbeit gefördert.

Durch das Content Inventory und die kontinuierliche Arbeit in den letzten zwei Jahren konnten wir zudem das gesamte SEGGER-Produktportfolio und ihre Zielgruppen besser kennenlernen.

Für 2026 sind bereits viele weitere neue Features und Umstellungen geplant. Ich freue mich schon darauf, sie im modernisierten System umsetzen zu können.

Sebastian Klein

Steht irgendwo zwischen Front- und Backend. Mit einem Faible für Usability und Dokumentation. Immer auf der Suche nach Good Practices.

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Bildnachweise
  1. "Illustration des klassischen Wasserfall-Modells": © Sebastian Klein / Marketing Factory Digital GmbH
  2. "Illustration des hybriden Projektmanagement-Modells": © Sebastian Klein / Marketing Factory Digital GmbH
  3. "Beitragsbild "Projektmanagement-Workflow"": © Sebastian Klein / Marketing Factory Digital GmbH