Automatisierte Related Content Strategie: Mehr Relevanz ohne Pflegeaufwand
Im Embedded- und IoT-Umfeld sind technische Details für Kaufentscheidungen essenziell. Deshalb sind die Produktseiten von SEGGER sehr umfangreich und werden von Anwendern intensiv genutzt. Doch wie bietet man Besuchern am Ende dieser Seiten genau die Inhalte an, die für die nächste Entscheidung relevant sind – ohne ein Redaktionsteam mit manueller Verknüpfungsarbeit zu überlasten?
| Kunde | SEGGER Microcontroller GmbH |
|---|---|
Projektzeitraum | 2026 |
"Related Content" bezeichnet auf Websites Inhalte, die am Ende oder am Rand einer Seite als thematisch passende Empfehlungen angezeigt werden – meist unter Überschriften wie "Das könnte dich auch interessieren", "Ähnliche Artikel" oder "Weiterführende Inhalte"
Was zunächst nach einem einfachen Content-Element klingt, entwickelt sich bei einer umfangreichen Website schnell zur redaktionellen Herausforderung: Welche Inhalte erscheinen wo? Was ist aktuell? Und wer hält all diese Verknüpfungen dauerhaft aktuell? Eine manuelle Lösung ist bei dieser Skalierung nicht praktikabel.
Gemeinsam mit SEGGER haben wir daher eine Lösung entwickelt, die Related Content automatisiert bereitstellt und gleichzeitig gezielte redaktionelle Eingriffe ermöglicht.
Relevante Inhalte ohne zusätzlichen Pflegeaufwand
Aufgrund der großen Zahl an Produktgruppen, Produkt- und relevanten Unterseiten wäre es mit erheblichem Aufwand verbunden, Related Content für jede einzelne Seite manuell auszuwählen und regelmäßig zu aktualisieren. Die Redaktion soll ihre Zeit stattdessen in die Erstellung und Pflege hochwertiger Inhalte investieren können und nicht zusätzlich die Verknüpfungen zwischen einer großen Zahl von Seiten dauerhaft aktuell halten müssen.
Deshalb wurde Related Content als eigenständiges Element konzipiert, das passende Inhalte anhand einer gemeinsam definierten Logik ermittelt und automatisch auf den relevanten Seiten ergänzt. So entsteht ein aktueller Seitenabschluss, ohne dass dafür auf jeder einzelnen Seite kontinuierliche redaktionelle Pflege notwendig ist.
Die Logik selbst nutzt verschiedene Kriterien, die im Rahmen des Projektes gemeinsam mit SEGGER erarbeitet und anhand realer Inhalte getestet worden sind. Hier ein Überblick über einzelne relevante Kriterien:
Position der Seite im Seitenbaum
Die relative Position der Seite zur aktuellen Seite bestimmt, ob die Seite in den Related Content aufgenommen wird.
Relevanz der Seite
Über eine Anbindung an Matomo werden die Visits der einzelnen Seiten ermittelt. Die Anzahl der Besuche fließt als Kriterium in die Bewertung der Relevanz ein. Damit berücksichtigt die Auswahl auch das tatsächliche Interesse der Website-Besucher und nicht ausschließlich redaktionelle Annahmen.
Aktualität der Seite
Die Aktualität einer Seite bestimmt, ob diese Seite in den Seitenabschluss aufgenommen wird.
Redaktionelle Freiheit: Automatik gezielt beeinflussen
Bei der großen Menge an Seiten auf der SEGGER-Webseite gibt es auch einzelne Seiten, die nicht in dem Related Content erscheinen sollen, wie z.B. Legacy-Produkte. Diese können durch eine Checkbox auf Seitenebene global vom Related Content ausgeschlossen werden. Ebenso können Redakteure einzelne Seiten gezielt zum Related Content hinzufügen. Ein Anwendungsfall ist dabei die Umstrukturierung von Seitenbäumen oder der gezielte Verweis auf Landingpages zu einem Produkt.
Automatischer Abschluss
Auch das Element selbst muss von der Redaktion nicht auf jeder Seite angelegt werden. Durch die bereits erfassten verschiedenen Seitentypen wie z.B. Produktgruppe, Produkt, Case-Study wird der Related Content als festes Element unterhalb des normalen Seiten-Contents automatisch ergänzt.
Viele kleine Regeln für eine passende Auswahl
Die notwendigen Informationen für die Auswahl der Seiten und die Anzeige im Related-Content-Bereich müssen TYPO3 bekannt sein. Darüber hinaus müssen die Informationen zur Anzeige schnell verfügbar sein, damit die Renderzeit im Rahmen bleibt. Während Standard-Informationen wie Aktualität, Description und Titel direkt von TYPO3 bereitgestellt werden, haben wir zusätzliche Kriterien ermittelt:
Visits der Seiten aus Matomo
SEGGER nutzt zur Analyse der Webseite Matomo, die Integration via CloudFront haben wir in unserem Blog-Artikel beschrieben.
Im Rahmen des Projektes galt es, für jede Seite die Zahl der Visits innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu ermitteln und in TYPO3 als Wert im Datensatz einer Seite zu speichern. Die notwendige Logik wurde als einfache CLI-Extension umgesetzt, welche für jeden URL-Pfad die Visits in Matomo abruft.
Für die benötigte Abfrage erwiesen sich vorhandene PHP-Pakete als nicht geeignet. Deshalb haben wir die benötigten Daten direkt über die Matomo API per HTTP-GET Request abgerufen.
<?php
private function buildMatomoApiUrl(
string $matomoUrl,
string $siteId,
string $pageUrl,
string $token
): string
{
return sprintf(
'%s?module=API'.
'&method=Actions.getPageUrl'.
'&idSite=%s'.
'&pageUrl=%s'.
'&period=range'.
'&date=last28'.
'&format=json'.
'&token_auth=%s',
rtrim($matomoUrl, '/'),
$siteId,
urlencode($pageUrl),
$token
);
}
Die Matomo API wird dabei nicht während des Seitenaufrufs abgefragt. Die ermittelten Werte werden regelmäßig aktualisiert und direkt am jeweiligen Seitendatensatz in TYPO3 gespeichert. Damit stehen sie bei der Ermittlung des Related Contents unmittelbar zur Verfügung und erzeugen keine zusätzliche externe API-Abfrage beim Rendern der Seite.
Klassifizierung der Seiten
Eine weitere Grundlage ist die Klassifizierung der Inhalte in TYPO3. Produktseiten und Produktgruppen sind als eigene Typen umgesetzt. Dadurch kennt das System die Bedeutung einer Seite und kann diese Information bei der Ermittlung geeigneter Inhalte berücksichtigen. Weitere produktspezifische Informationen können direkt an den Seiten hinterlegt und für zusätzliche Regeln verwendet werden.
Integration in den Seiten
Über einen eigenen Data Processor im PAGE-Objekt ermitteln und filtern wir die zugehörigen Seiten, um sie anschließend automatisch im Fluid-Template der Seite zu rendern.
Logik gemeinsam testen und verfeinern
Welche Gewichtung in der Praxis die besten Ergebnisse liefert, ließ sich nicht vollständig im Vorfeld definieren. Deshalb wurde die Logik Schritt für Schritt gemeinsam mit SEGGER anhand realer Inhalte überprüft und verfeinert. Anpassungen in der Logik wie die Ergänzung von Parametern und die Gewichtung der Kriterien konnten direkt von SEGGER auf einer speziellen Kopie der TYPO3-Instanz geprüft werden. Diese Review-Systeme werden von unserer CI/CD-Pipeline automatisiert bei einem Commit im Git-Repository erzeugt beziehungsweise mit der aktuellen Code-Basis aktualisiert und verhalten sich identisch zur Live-Website.

